Operationalisierung des Trittsteinkonzeptes für die Planungseinheit PE_RUH_1000, „Untere Ruhr“

Im Hauptlauf der Unteren Ruhr, einem erheblich veränderten Gewässer (hmwb nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie - WRRL), sollen der ökologische Zustand verbessert und typgerechte Arten nachhaltig etabliert werden. Bei der Planung von Maßnahmen wurde die Anwendbarkeit des Strahlwirkungskonzepts und seiner Elemente sowie die Entwicklung von Vorschlägen zu seiner Realisierung im Gewässersystem der Ruhr geprüft. Zudem wurde als Grundlage für die Maßnahmenplanung eine Anpassung des Leitbildes für die Ruhr vorgenommen, die das durch die vielen Flussstauhaltungen veränderte Fließverhalten mit einbezieht. Die an der Ruhr gelegenen Gebiete Saarner-Mintarder Aue und Heisinger Aue sind nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (EU-FFH-RL) geschützt. Für diese beiden Gebiete wurden die mögliche Synergien und Widersprüche als Folge der zwei hier anzuwendenden europäischen Rahmenrichtlinien gesondert herausgestellt. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Abschätzung der Kosten von Maßnahmen zur Erreichung des „guten ökologischen Potenzials“ für „hmwb“-Flussabschnitte nach Effizienzkriterien. Das Ergebnis stellt eine Konkretisierung und Priorisierung erforderlicher und sinnvoller Maßnahmen zur Zustandsverbesserung und Etablierung bzw. Stabilisierung typgerechter Arten mit einem erheblichen Erkenntnisgewinn für den Umgang mit als erheblich verändert ausgewiesenen „hmwb“-Gewässerabschnitten dar. Wesentliche Voraussetzung hierfür war eine gute Zusammenarbeit vieler Akteure über räumliche und administrative Zuständigkeitsgrenzenan der Unteren Ruhr hinweg. Der Endbericht zu diesem Projekt liegt jetzt vor.

Am 25. Juni 2009 fand die Auftaktveranstaltung beim Ruhrverband in Essen statt. Etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Kreis der Ruhranlieger und der Fachöffentlichkeit wurde das Projekt vorgestellt. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorstandsvorsitzenden des Ruhrverbands, Prof. Dr. Bode, führte Herr Reinders, in der Bezirksregierung Düsseldorf für die Umsetzung der WRRL zuständig, in das Thema ein.
reinders
Für die Auftragnehmer stellten Dr.-Ing. Grünebaum und Dr. Koenzen den Hintergrund, die Inhalte, die Arbeitsschritte und den Zeitplan des Projektes vor. Herr Klingel von der Bezirksregierung Düsseldorf betonte in seiner Zusammenfassung, dass das Detailwissen und der Sachverstand aller Akteure an der Unteren Ruhr wichtig sind. Er bat sie, das Projekt bei der Begehung und den Workshops zu unterstützen und daran mitzuwirken, so dass konkrete, effiziente und von allen mitgetragene Maßnahmen gefunden werden können.
gruenebaum
koenzen

Zur Mitwirkung der Akteure sind in den Bereichen der Bezirksregierung Düsseldorf und der Bezirksregierung Arnsberg je 2 Workshops vorgesehen:

Workshop 1: Maßnahmenherleitung auf Grundlage einer konzeptionellen Übersichtsplanung

am 25. August 2009 für den Bereich der BR Düsseldorf in Essen
am 27. August 2009 für den Bereich der BR Arnsberg in Essen

publikum

Workshop 2: Maßnahmenkonkretisierung und -priorisierung

am 4. November 2009 für den Bereich der BR Düsseldorf in Essen
am 5. November 2009 für den Bereich der BR Arnsberg in Bochum

Die Ergebnisse wurden am 26. März 2010 im Rahmen einer Abschlussveranstaltung in der Bezirksregierung Düsseldorf vorgestellt.
Nach einer Einführung durch Andreas Happe und Jürgen Klingel von der Bezirksregierung Düsseldorf und kurzer Darstellung des Projektes durch
Dr.-Ing. Thomas Grünebaum vom Deutschen Rat für Landespflege stellte
Dr. Uwe Koenzen ausführlich die Ergebnisse dieses Projektes vor.

Hintergrund:
Mit der Entwicklung des Strahlwirkungsansatzes - sog. „Trittsteinkonzept“ - konnten erstmals Maßnahmen für die Verbesserung des ökologischen Zustands von Fließgewässern konkretisiert werden, die die ökosystemaren Zusammenhänge und Wechselwirkungen in einem Gewässersystem in besonderem Maße berücksichtigen und nutzen (Schr.-R. des DRL, H. 81, 2008). Anstelle einer weitgehend zusammenhängenden, leitbildkonformen Veränderung von insbesondere hydromorphologischen Verhältnissen durch entsprechende Maßnahmen werden in der longitudinalen Entwicklung von Fließgewässern gezielt Gewässerabschnitte als Strahlursprünge und Strahlwege entwickelt. Dieser Ansatz stellt einen entscheidenden Beitrag zur Zielerreichung und höheren Kosteneffizienz von Maßnahmen zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) dar. Der Ansatz wird insbesondere in Nordrhein-Westfalen in den Entwürfen von Bewirtschaftungsplänen und Maßnahmenprogrammen gemäß EG-WRRL gezielt eingesetzt - dies allerdings in einer aufgrund des Detaillierungsgrads dieser Konzepte noch wenig konkreten Form. Der Strahlwirkungsansatz wurde zwischenzeitlich sowohl durch den DRL als auch durch andere Institutionen weiter untersucht und für die Umsetzung näher konkretisiert. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf das Projekt des DRL „Verbesserung der biologischen Vielfalt in Fließgewässern und ihren Auen“ und die Projekte des Planungsbüros Koenzen „Gezielte Nutzung von Strahlwirkungen und Trittsteineffekten zur Erreichung der Ziele der EG-WRRL im Einzugsgebiet Eifel-Rur“ im Auftrag des Wasserverbands Eifel-Rur Düren und mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie das derzeit laufende Vorhaben „Strahlwirkung zum Ausgleich morphologischer Defizite in Fließgewässern“ im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen.

Das Projekt wurde gemeinsam vom DRL und dem Planungsbüro Koenzen – Wasser und Landschaft, Hilden, in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber und den vielen weiteren Beteiligten erarbeitet .

Planungsbüro Koenzen
Benrather Str. 47
40721 Hilden
www.planungsbuero-koenzen.de
Ansprechpartner:
Dr. Uwe Koenzen
Hans-Peter Henter
Christian Reuvers
Sebastian Döbbelt-Grüne
DRL
Konstantinstr. 73
53179 Bonn
www.landespflege.de

Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Thomas Grünebaum
Prof. Dr. Günther Friedrich
Angelika Wurzel
Ute Borchers

 

Der Ruhrverband unterstützt das Projekt:

Ruhrverband
45128 Essen
www.ruhrverband.de
Ansprechpartner:
Dr. Ing. Thomas Grünebaum

 

Auftraggeber ist die Bezirksregierung Düsseldorf, NRW:

Bezirksregierung Düsseldorf
Cecilienallee 2
40474 Düsseldorf
www.bezreg-duesseldorf.nrw.de
Ansprechpartner:
Jürgen Klingel
Detlef Reinders
Jürgen Buderus

 

letzte Aktualisierung: 17.06.2014