50 Jahre Deutscher Rat für Landespflege

Am 27. September 2012 feierte der Deutsche Rat für Landespflege e. V. (DRL) seine 50 Jahre aktive Arbeit als unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium für Politik und Verwaltung. Als erster Rat in Deutschland arbeitet der DRL ohne expliziten gesetzlichen Auftrag im Gegensatz zu anderen Räten (SRU, WBGU, Rat für Nachhaltige Entwicklung). Er beruft seine Mitglieder selbst und kann sich daher auf landespflegerische Aspekte im Konfliktfeld zwischen Naturschutz, Erhaltung und Entwicklung ökologischer und ästhetischer Qualitäten auf der einen und Landnutzung auf der anderen Seite konzentrieren.

Festvorträge:

  1. Graf Björn Bernadotte: Grußwort
  2. Dr. Hans-Werner Frohn: Das Fenster zur Moderne öffnen! - Die „Grüne Charta von der Mainau“ und die Anfänge des Deutschen Rates für Landespflege (pdf)
  3. Prof. Dr. Werner Konold: Landespflege – Notizen zu Inhalten und zum Wandel eines Begriffes (pdf)
  4. Minister Johannes Remmel: Naturschutz – Landschaftspflege – Nachhaltigkeit: Wo geht die Reise hin? - Administrative SIcht
  5. Prof. Dr. Uta Steinhardt: Naturschutz – Landschaftspflege – Nachhaltigkeit: Wo geht die Reise hin? - Wissenschaftliche Sicht (pdf)

Der DRL sieht seine Funktion als Vordenker, Mahner und Mediator, welche er durch seine Ratsmitglieder aus unterschiedlichsten Disziplinen ausfüllt. Seine ausgewogenen, kompetenten, interdisziplinären Stellungnahmen beinhalten integrierende Sichtweisen und kurzfristig umsetzbare konkrete Empfehlungen für die EU-, Bundes-, Landes- und kommunale Ebene.
Die Arbeit des DRL wurde bis 2004 vom Bund institutionell gefördert und finanziert sich seitdem durch Projektarbeit. Um die Unabhängigkeit des Deutschen Rates für Landespflege langfristig abzusichern, wurde Anfang 2008 die „Unselbständige Stiftung des Deutschen Rates für Landespflege“ als Zustiftung zur Lennart-Bernadotte-Stiftung gegründet.

Graf Lennart Bernadotte legte am 20. April 1961 dem damaligen Bundespräsidenten Dr. h. c. Heinrich Lübke die beim fünften Mainauer Rundgespräch beschlossene „Grüne Charta von der Mainau“ vor, die schon damals auf die Gefährdung unserer Lebensgrundlagen hinwies: „Lebenswichtige Elemente der Natur werden verschmutzt, vergiftet und vernichtet und Menschen von zunehmendem Lärm unerträglich belastet. … Voraussetzung für unser Leben ist neben gesunder Nahrung die gesunde Landschaft mit Boden, Wasser, Luft und ihrer Tier- und Pflanzenwelt. … Es ist daher an der Zeit, dass sich alle Landnutzer gemeinsam bemühen, die Lage zu überprüfen, zu planen und zu handeln, um einen Ausgleich zwischen Technik, Wirtschaft und Natur herzustellen und [nachhaltig] zu sichern.“

Zur Umsetzung der Forderungen der Grünen Charta wurde der Deutsche Rat für Landespflege vom Bundespräsident Dr. h. c. Heinrich Lübke am 5. Juli 1962 als freies und unabhängiges Gremium in Bonn berufen. Im damaligen Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung werden anlässlich der Konstituierung die Ziele und Aufgaben des DRL wiedergegeben: „... jeder der sich verantwortlich fühlt, [muss] dem alarmierenden Abbau der gesunden Landschaft, der zur Zeit im Gange ist, entgegenwirken... Die Bevölkerung ist besonders auf die ernsten Gefahren aufmerksam zu machen, die dem Leben und der Gesundheit des ganzen Volkes aus der Verunreinigung des Bodens, der Gewässer und der Luft erwachsen. Dazu muss die Natur- und Landschaftskunde in unserem gesamten Erziehungs- und Bildungswesen mehr in den Vordergrund gerückt werden. Der „Rat für Landespflege“ soll den zuständigen Kommunal-, Landes- und Bundesbehörden sowie allen einschlägigen Institutionen Gutachten und Grundsatzempfehlungen auf den Gebieten der Landschaftspflege, des Naturschutzes, der Grünplanung, die in den Rahmen der Raumordnung hingehören, unterbreiten.“

Aus unabhängiger und übergeordneter Sicht nimmt der DRL Stellung zu grundsätzlichen und aktuellen Themen der Landespflege in Deutschland wie Fragen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, der räumlichen und städtebaulichen Planung, Landnutzungen und Schutz der natürlichen Ressourcen in Deutschland und in der Europäischen Union. Der DRL erarbeitet Gutachten, Stellungnahmen und Empfehlungen unter Maßgabe der Forderungen und Zielsetzungen der Grünen Charta von der Mainau.

Die Stellungnahmen werden in der DRL-Schriftenreihe mit derzeit 83 Ausgaben und verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht und themenspezifisch zuständigen Bundes- und Landesfachbehörden sowie wissenschaftlichen Einrichtungen und einschlägigen Institutionen als Beratungsmaterial zur Verfügung gestellt. Diese Arbeiten werden als wichtige Entscheidungsgrundlagen genutzt und führten zu Erfolgen in Rechtssetzung, Landnutzung, Städtebau, Wasserwirtschaft und Gebietsschutz. Wichtige Themen der letzten Jahre waren „Die Auswirkungen erneuerbarer Energien auf Natur und Landschaft“, „Kompensation von Strukturdefiziten in Fließgewässern durch Strahlwirkung“ und „Freiraumqualitäten in der zukünftigen Stadtentwicklung“. Dies hat dem DRL eine gute Reputation in Bund und Ländern eingetragen.

 

Am 22. Oktober 2011 fand auf Schloss Mainau, dem „Geburtsort" der „Grünen Charta“, ein Festakt zum 50jährigen Jubiläum dieses Dokuments statt, bei dem Graf Björn Bernadotte die Entstehung der „Grünen Charta“ und die Bedeutung dieses Dokuments würdigte. Prof. Dr. Klaus Töpfer, früherer Bundesumweltminister und langjähriger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, beschrieb in seiner Festrede die visionären Forderungen des Dokuments im Kontext der damaligen Zeit und wies auf die grundsätzliche Aktualität hin.

Den Festakt schloss Prof. Dr.-Ing. Schipanski als Vorsitzende des Stiftungsvorstandes der Lennart-Bernadotte Stiftung mit der Ehrung zweier Institutionen für langjähriges Engagement im Sinne der Forderungen der Grünen Charta. Links mit Prof. Dr. Konold, Sprecher des Deutschen Rates für Landespflege, und rechts mit Herrn Zwermann, Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft.

Eine neue „Grüne Charta von der Mainau“ kann und wird es nicht geben; aber ihr Inhalt kann weiterhin „Taten auslösen. Dieser bedarf unsere Zeit am dringlichsten“ (Wortlaut aus der Grünen Charta).

Klingen soll vor allem die Forderung nach Taten, denn „dieser bedarf unsere Zeit am dringlichsten“.

 

letzte Aktualisierung: 11.10.2013