Freiraumqualitäten in der zukünftigen Stadtentwicklung

Heft 78 des Deutschen Rates für Landespflege

Die tägliche Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrsflächen ist noch immer zu hoch, so dass das Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, die Flächeninanspruchnahme auf bis 2020 auf 30 ha/Tag zurückzuführen, nur schwer erreichbar scheint. Städtebauliche Verdichtung (z. B. Ausbau vor Neubau, Baulückenmobilisierung, Flächenrecycling, Nutzungsmischung, Rücknahme von Verkehrsflächen) ist einer der derzeit diskutierten Lösungsvorschläge, wie das Ziel erreicht werden kann. Von "doppelter Innenentwicklung" wird gesprochen, wenn dabei gleichzeitig die Freiraumversorgung und -nutzbarkeit erhalten und verbessert wird.

Mit dieser Thematik, insbesondere mit der Erhaltung städtebaulicher Qualitäten, hat sich der DRL anlässlich einer Fachtagung "Erhaltung und Verbesserung von Freiraumqualitäten bei gleichzeitiger innerstädtischer Verdichtung" am 20. und 21. September 2004 in Leipzig befasst. Die Beiträge dieser Veranstaltung sind jetzt zusammen mit einer Stellungnahme des DRL in Heft 78 der Schriftenreihe erschienen.

In seiner Stellungnahme geht der DRL davon aus, dass zu städtischen Qualitäten neben einem reichhaltigen Angebot an Kultur, Kommunikation, Freizeitgestaltung, Einkaufsmöglichkeiten und guter Infrastruktur vor allem ein attraktives Wohnumfeld, eine gute Versorgung mit gestalteten und naturnahen Freiräumen, schadstoffarme Luft sowie unbelastete Böden und Gewässer gehören. Ein künftiges städtebauliches Leitbild der doppelten Innenentwicklung muss durch Qualitätsziele und Orientierungswerte für die Dimensionierung für mind. drei Typen städtischer Freiräume (unmittelbares Wohnumfeld, wohngebietsbezogenes Wohnumfeld und siedlungsnahe Freiräume) untermauert werden, für die der DRL Vorschläge erarbeitet hat.

In Zusammenhang mit Überlegungen für Strategien und Handlungsempfehlungen zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme durch das Leitbild "doppelte Innenentwicklung" ist dessen Kommunikation vor und bei allen Schritten von Planungen (z. B. Bauleitplanung, Landschaftsplanung) von hoher Bedeutung, um später Akzeptanz zu erhalten.

Raumordnung, Landesplanung und Bauleitplanung, ergänzt durch das Naturschutzrecht des Bundes und der Länder, stellen das planerische Instrumentarium zur Umsetzung des Leitbildes der doppelten Innenverdichtung dar; ihre Möglichkeiten und Chancen sind besser zu nutzen als bislang. Nicht zu unterschätzen sind auch finanzielle Steuerungsinstrumente.

Eine Reihe von politischen, finanzpolitischen und Verwaltungsmaßnahmen kann die Umsetzung des Leitbildes der doppelten Innenentwicklung erleichtern. In allen für die räumliche Planung zuständigen Verwaltungen in Bund und Ländern ist dem Ziel der Flächeneinsparung eine höhere Priorität einzuräumen.

Das Projekt des DRL wurde dankenswerterweise vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und der Lennart-Bernadotte-Stiftung gefördert. Die Veröffentlichung "Freiraumqualitäten in der künftigen Stadtentwicklung", herausgegeben vom Deutschen Rat für Landespflege, ist in der Schriftenreihe des Deutschen Rates für Landespflege als Heft 78 mit 128 Seiten Umfang und zahlreichen farbigen Abbildungen erschienen.


letzte Aktualisierung: 12.09.2011